Generation Y – Von der Work-Life-Balance zur Life-Balance

Arbeit sollte im Idealfall Sinn machen. Arbeiten, deren Sinnhaftigkeit nicht auf Anhieb nachvollziehbar ist, will die «Generation Y» – zu der auch unser Autor gehört – aus ihrem Alltag verbannen. Was steckt hinter dieser neuen Sicht auf Arbeit?
Unsplash / Francois Olwage
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«Die Jugendlichen von heute wollen nicht mehr arbeiten.» Dies ist eine oft gehörte Aussage der Generation meiner Eltern. Für die Generation, die heute kurz vor der Pensionierung steht, waren Werte wie Fleiss, Pflichtbewusstsein und Loyalität eine klare Voraussetzung, um im Beruf langfristig erfolgreich zu sein. Langfristig waren auch die Absichten, die mit einem Job-Engagement verbunden waren. Für diese Generation waren viele Dienstjahre beim gleichen Arbeitgeber eine Art Qualitätsmerkmal der erbrachten Leistung. Neben der Hochachtung vor dieser Leistung könnte man sich aber auch fragen, weshalb diese Menschen nicht mehr Abwechslung, Neues und Unbekanntes kennenlernen wollten.

Veränderung als Konstante

Die Generation Y (auch Millenials genannt, Generation, die im Zeitraum der frühen 1980er bis zu den frühen 2000er Jahren geboren wurde) stellt sich primär die Frage «whY?» (Warum). Diese Generation will Standards hinterfragen und sich von anderen Menschen differenzieren. Wer «normal» ist, gilt als langweilig und von gestern. Die Generation Y wurde in der Kindheitsphase geprägt von der Globalisierung und Digitalisierung. Für sie war alles schnell verfügbar und nichts unmöglich. Sie lernte den Umgang mit revolutionären Erfindungen wie dem Computer oder Smartphone im Vorübergehen und war stets darauf bedacht, Schritt zu halten mit allem, was die bunte Welt der Digitalisierung für sie bereithielt. Für diese Generation ist Veränderung nichts Aussergewöhnliches. Dies zeigt sich auch in ihrer Berufs- und Karrieremotivation. Die Unabhängigkeit von engen Strukturen und Sinnhaftigkeit von beruflichen Inhalten spielen eine zentrale Rolle.

Wer die Wahl hat…

Die Generation Y will alles miteinander vereinbaren können. Das Privatleben soll dem Leben als Berufsperson in nichts nachstehen. Für die «Jungen» ist klar, dass zwischen dem, was privat, und dem, was beruflich ist, keine klare Grenze mehr gezogen werden kann. Die globalisierte und immer mehr digital vernetzte Welt schafft für sie eine Vielzahl von Möglichkeiten.

Ausbildungslandschaft und Berufsbilder verändern sich. Dasselbe gilt auch für die privaten Lebensmodelle. Für die Gen Y und die Generationen, die nach ihr folgen, steht die Welt offen. Das bringt viele Chancen und einige Gefahren mit sich. So haben junge Menschen nicht selten Mühe, sich aus der Fülle der ihnen offenstehenden Wege für den einen richtigen zu entscheiden. Menschen der älteren Generationen missverstehen diese Entscheidungshemmung oft als Ziellosigkeit.

Gott ist der Zeit voraus

Die Menschen der Generation Y sind Kinder ihrer Zeit. Es muss alles schnell gehen. Lieber heute als morgen, lautet die rastlose Devise. Wer länger als fünf Jahre beim gleichen Arbeitgeber bleibt, gilt als Langweiler. Wie findet diese Generation noch zur Ruhe? Und wo hat die Pflege der persönlichen Gottesbeziehung ihren Platz? Ich erlebe immer wieder, dass Gott mich in hektischen Zeiten zu sich ruft. Nicht selten fühle ich mich dadurch zusätzlich gestresst, weil ich dem Alltags-Rhythmus auch ohne Zeiten der Stille nachhinke. Habe ich Gott aber jene Zeit eingeräumt, die er verdient, kommt mir das immer zugute.

Sowohl Tempo als auch Druck am Arbeitsplatz und im Privatleben werden sich in Zukunft nicht verringern. Wie werden künftige Generationen damit umgehen? Wie werden sie ihre Prioritäten setzen? So oder so gilt: Gott war noch nie an fixe (Arbeits)Strukturen gebunden. Er lässt sich von überall in einen «Conference Call» (Telefon-Konferenz) einbeziehen. Egal zu welcher Generation wir gehören: Es ist an uns, ihm seinen Platz in unserem Kalender zu gewähren.   

Dieser Artikel erschien im November 2022 auf Livenet.ch.

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