Paradigmenwechsel – Leiten mit Liebe

Führungskräfte brauchen Durchsetzungsfähigkeit, Entscheidungsstärke, den Blick für grosse Zusammenhänge und klare Betriebsanalysen. In letzter Zeit zeigt sich, dass auch Herz dazugehört. Ohne Liebe leiten Führungskräfte einseitig.
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Geschäftsfrauen in einem Meeting

In der Bibel wird Liebe als eine der herausragenden christlichen Charaktereigenschaften beschrieben. Niemand würde widersprechen, dass sie in Kirche und Gemeinde eine grosse Rolle spielt. Aber das Geschäftsleben ist nun mal keine Kirche, hörst du schnell, wenn du auch in der Firma auf Liebe setzt. Die Stellenprofile von Managerinnen und Managern haben keinen Raum dafür, stattdessen sollst du entscheidungsstark, durchsetzungsfähig, visionär, authentisch, kommunikativ und analytisch begabt sein. Wenn du beim Einstellungsgespräch von einem liebevollen Führungsstil redest, ist es wahrscheinlich, dass du die Stelle nicht bekommst. Und wenn du diese Gedanken später entwickelst, wirkst du auf viele schwach.

Die Stärke des Herzens

Das grösste Missverständnis beim Führen mit Liebe ist die scheinbar nötige Harmoniesucht. Liebevolles Führen benötigt Klarheit und ein Hören auf deine innere Stimme. Harmonie um jeden Preis ist damit nicht gemeint. Sie wächst eher aus Angst als aus Liebe. Wenn du dein Herz als wichtigen Teil deiner Entscheidungen siehst, dann lehnst du ja nicht den Verstand ab, sondern fügst ihm die emotionale Ebene hinzu. Wir sind nicht so klug, wie wir denken. Und eine nur auf Wissen basierende Führung neigt dazu, von einer Teillösung zur nächsten zu springen. Dass Probleme damit nicht gelöst werden, sondern sich immer wieder im Kreis bewegen, ist typisch dafür. Führen mit Liebe verweigert sich auch dem Denken, Angestellte nur als Humankapital zu sehen – sie bleiben Menschen.

Empathie studieren

Längst sind diese Gedanken auch in den Hochschulen angekommen. Die Hochschule für Wirtschaft Zürich HWZ bietet deshalb einen Aufbaustudiengang in «Purpose Driven Leadership» an, dessen Motto laut Studiengangsleiterin Nadine Zasadzin ist: «Es braucht Führungskräfte, die in der Lage sind, mit Liebe zu führen, ihre Mitarbeitenden stärken und für Klarheit stehen.» Der Hintergrund dieses Studiengangs ist das Integrieren von schamanistischer Spiritualität in den Wirtschaftsbereich. Allerdings hat der Fokus auf Liebe zunächst einmal nichts mit dieser spirituellen Richtung zu tun.

Die Bibel ernst nehmen

Viele Ermahnungen oder Erklärungen zum Thema Liebe in der Bibel gelten definitiv nicht nur für das Miteinander in Kirchen und Gemeinden. Wenn Liebe tatsächlich fürs Gemeindeleben entscheidend ist, dann ist sie auch im Unternehmen relevant. Wie die Gedanken umzusetzen sind, erfordert dann die Kompetenz von Führungskräften. Doch die Aussagen dazu stehen im Raum.

Dabei geht es um dienende Leiterschaft: «Ihr wisst, dass diejenigen, welche als Herrscher der Heidenvölker gelten, sie unterdrücken, und dass ihre Grossen Gewalt über sie ausüben. Unter euch aber soll es nicht so sein, sondern wer unter euch gross werden will, der sei euer Diener, und wer von euch der Erste werden will, der sei aller Knecht.» (Markus, Kapitel 10, Vers 42-44)

Es geht um Geduld und liebevollen Umgang in Konflikten: «Ertragt einander mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut in Liebe.» (Epheser, Kapitel 4, Vers 2)

Ausserdem kannst du die Stärken anderer fördern und ermutigen: «Darum ermahnt einander und erbaut einer den anderen, wie ihr es auch tut!» (1. Thessalonicher, Kapitel 5, Vers 11)

Wichtig ist auch ein Blick weg von dir selbst: «Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Jeder schaue nicht auf das Seine, sondern jeder auf das des anderen.» (Philipper, Kapitel 2, Vers 3-4)

Über allem aber steht das oberste Prinzip der Liebe: «Lasst alles bei euch in Liebe geschehen!» (1. Korinther, Kapitel 16, Vers 14)

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