Würde vor Leistung – Jesus und der Lohn

Was ist Arbeit wert, die nicht mit Geld angemessen entlöhnt wird? Wart’s ab, lass das Leistungsdenken und komm mit mir auf den Weg, sagt Jesus. Er bietet mehr als nur Lohn.
Unsplash / Sebastián Santacruz
Dein Wert lässt sich nicht von deiner Leistung definieren

Wir sind weit mehr, als was wir leisten. Doch wollen wir, dass Arbeit anständig entlöhnt wird? Glücklicherweise leben wir in einer Gesellschaft, die der Ausbeutung von Schwachen Schranken setzt. Der erfolgreiche Weg des Westens hat mit dem christlichen Menschenbild zu tun. Es gibt jedem Menschen Würde. Gott hat ihn in seinem Bild geschaffen, wie schwach und ungeschickt er auch sei. Jeder ist Person, jede ist immer mehr als ihre Arbeitskraft. Wer Menschen ausbeutet, missachtet die Würde.

Interessanterweise geht die Bibel noch weiter: Auch der Hunger von Tieren, die arbeiten, ist zu achten. So darf dem Ochsen, der den Dreschbalken über das Getreide zieht, das Maul nicht verbunden werden (5. Mose, Kapitel 25, Vers 4). Jesus bringt es auf den Punkt: Wer arbeitet, hat auch seinen Lohn verdient. «Der Arbeiter ist seines Lohnes wert» (Lukasevangelium, Kapitel 10, Vers 7).

Als Gast aufgenommen

Allerdings – und das macht es spannend – meint Jesus nicht Geld, wenn er hier vom Lohn spricht. Jesus ist mit einer Gruppe auf der Reise nach Jerusalem. Die Begleiter schickt er zu zweit vor sich her in die Ortschaften, die er unterwegs aufsuchen will. Sie sollen die Leute auf ihn vorbereiten. Die Zweierteams verfügen über keinerlei Kreditkarte, um Zimmer zu buchen, nicht einmal Bares – ganz ohne Geld sollen sie reisen. Für das, was sie bringen, dürfen sie gastliche Aufnahme erbitten und erwarten. «Tretet ihr in ein Haus ein, so sagt zuerst: ‚Friede diesem Haus!’ … In diesem Haus bleibt, esst und trinkt, was ihr von ihnen bekommt. Denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Geht nicht von einem Haus ins andere» (Lukasevangelium Kapitel 10, Verse 5-7).

Mit Lohn meint Jesus also nicht Dinar oder Dollar, sondern Datteln und Drinks und eine warme Decke. Er begründet Lohn nicht aus dem Spiel von Angebot und Nachfrage. Ihm geht es darum, dass Menschen offen werden für Gäste – und für das Neue, das sie bringen. Das Neue ist in diesem Fall die Botschaft, dass Gott die Menschen lieb hat und alles dran gibt, um bei ihnen zu sein, Kaputtes zu heilen und Trennungen aufzulösen. Jesus lebt diese revolutionäre Botschaft aus; wer für sie unterwegs ist und ihn ankündigt, darf gastliche Aufnahme als Lohn erwarten.

Allerdings ist Jesus nicht blind für die Not der Tagelöhner, die auf den Marktplätzen herumstehen und doch ohne Arbeit bleiben. Mit einer Geschichte macht er ein andermal deutlich, dass Gott den Menschen in seiner Grosszügigkeit auch finanziell weit überlegen ist: Der Weinbergbesitzer zahlt sogar jenen Temporären, die bloss eine Stunde in den Reben gearbeitet haben, einen ganzen Tageslohn (Matthäusevangelium, Kapitel 20, Verse 8 bis 15).

Der beste Lohn

Wer arbeitet, hat auch seinen Lohn verdient: Jesus hebt den Grundsatz auf eine höhere Ebene. Es gibt keinen besseren Lohn, als in eine Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Wer andere in sein Leben hineinlässt und ihnen Anteil an ihm gibt, gibt ihnen etwas Entscheidendes. Noch mehr als Geld brauchen wir Gemeinschaft. Jesus begründet und bietet eine Gemeinschaft an, die kein Markt anbietet: Er selbst ist bei Gott als Vater daheim – uns lädt er ein, dass wir uns in diese Gemeinschaft aufnehmen lassen.

Dieser Artikel erschien im Januar 2012 auf Jesus.ch.

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