Wir wollen die Fragen um Jesus in drei Unterthemen behandeln:
- 1Seine Existenz: Hat er wirklich gelebt? Ist seine Existenz bewiesen? Sind die Berichte über ihn historisch glaubwürdig?
- 2Sein Anspruch: Ist das, was er über sich selbst gesagt hat, glaubwürdig? Wie hat er sich selbst verstanden?
- 3Seine Auferstehung: Ist es historisch gesichert, dass er auferstanden ist?
Vor allem die Antwort auf die dritte Frage ändert alles. Wenn Jesus wie jeder «normale» Tote im Grab geblieben ist, dann ist das Christentum der grösste Fake der Weltgeschichte. Wenn er aber nach seinem Tod wieder lebendig geworden ist, ist das von grösster Bedeutung – für uns und für die Geschichte.
1. Seine Existenz
Hat Jesus wirklich gelebt?
Wenn es um eine historische Person geht, sind wir auf Quellen angewiesen. Die Existenz von Cäsar oder Karl der Grosse werden durch zeitgenössische und spätere Berichte bezeugt. Die Berichte über Jesus über ihn gliedern sich in zwei Gruppen:
a) Die biblischen Berichte
Die ersten vier Bücher des Neuen Testaments sind Aufzeichnungen von Zeitzeugen, die viel Gemeinsames, aber auch Unterschiede aufweisen – genau so, wie man es erwarten würde, wenn verschiedene Menschen die gleichen Ereignisse beschreiben.
Immer wieder versichern die Verfasser des Neuen Testaments, dass sie einfach das weitergeben wollten, was sie selbst mit Jesus erlebt hatten oder was ihnen vertrauenswürdige Augenzeugen über ihn erzählt hatten (siehe Lukas-Evangelium, Kapitel 1, Verse 1–4; 2. Petrus, Kapitel 1, Vers 16; 1. Johannes, Kapitel 1, Verse 1–4 u. a.).
Für die Echtheit der biblischen Berichte gibt es zwei Hauptargumente:
Indiz Nr. 1: Der zeitliche Abstand zwischen der Abfassung und den ältesten erhaltenen Handschriften: Bei keinem anderen Buch der Antike ist er so gering wie beim Neuen Testament. Immer mehr Forscher gehen davon aus, dass fast alle Briefe (z. B. die des Apostels Paulus) und auch die Evangelien bereits 15 bis 60 Jahre nach dem Leben und Wirken von Jesus verfasst wurden.
Indiz Nr. 2: Die Fülle der zeitnahen Manuskripte: Von keinem Buch der Antike existieren so viele Abschriften. Bis heute zählt man mehr als 5’000 griechische Handschriften des Neuen Testamentes, hinzu kommen weitere rund 20’000 Handschriften in anderen Sprachen. Die Unterschiede zwischen ihnen sind marginal und betreffen nirgendwo eine Hauptaussage.
Aus diesem Grund gilt das Neue Testament als das am zuverlässigsten überlieferte Dokument des Altertums.
Zum Vergleich: Von den «Annalen» des römischen Geschichtsschreibers Tacitus existieren nur noch 20 Manuskripte, wobei das älteste aus dem 11. Jahrhundert n. Chr. (!) stammt. Damit liegt eine Zeitspanne von rund 1000 Jahren zwischen der Niederschrift durch Tacitus und der ältesten Abschrift. Dennoch gelten die Annalen unter Historikern als verlässliches Dokument römischer Geschichte.
b) Ausserbiblische Zeugen
Neben den biblischen Berichten existieren zahlreiche ausserbiblische Bestätigungen der Existenz Jesu. Der jüdische Historiker Flavius Josephus berichtet in seinen «Antiquitates Judaicae» über die Hinrichtung eines Jakobus und bezeichnet ihn beiläufig als Bruder von Jesus, «der Christus genannt wird».
Diese Notiz gilt vielen Forschern als erste echte ausser-christliche Erwähnung Jesu.
Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet: «Kaiser Nero verhängte die ausgesuchtesten Strafen über die wegen ihrer Verbrechen Verhassten, die das Volk ‹Chrestianer› nannte. Der Urheber dieses Namens ist Christus, der unter der Regierung des Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war. Der Aberglaube verbreitete sich nicht nur in Judäa, wo das Übel aufgekommen war, sondern auch in Rom.»
Auch der frühe Profanhistoriker Thallus, der römische Kaiserbiograph Sueton und der Senator Plinius der Jüngere erwähnen Jesus, seine Kreuzigung und das Christentum jeweils in Randnotizen zu Ereignissen in Rom und in den Provinzen. Auch der syrische Stoiker Mar Bar Sarapion (um 100) und der griechische Satiriker Lukian von Samosata (um 170) erwähnen Jesus in ihren Schriften.
Darum: Die Existenz von Jesus, sein Wirken und sein Tod werden von der überwiegenden Menge heutiger Historiker als gesichert anerkannt.
2. Sein Anspruch
Stimmt das, was Jesus über sich selbst sagte?
Häufig wird angenommen, dass alle Religionsstifter so etwas wie «weise Männer» oder «moralische Vorbilder» waren, die ähnliche Ziele verfolgten. Dass dem nicht so ist, wird bei näherer Betrachtung schnell klar. Wer zum Beispiel die Aussagen Mohammeds oder Buddhas mit denen von Jesus vergleicht, stellt gravierende Unterschiede fest.
Vielleicht der wichtigste: Jesus sagte, er sei Gott gleich.
Buddha nannte sich selbst zwar den «Erleuchteten» und Mohammed sah sich als den «grössten aller Propheten», doch nur Jesus bezeichnete sich selbst indirekt und auch direkt immer wieder als Sohn Gottes, ja sogar als Gott gleich (z. B. Johannes-Evangelium, Kapitel 10, Vers 30).
Dieser einzigartige Anspruch ist der charakteristischste Unterschied zwischen Christus und anderen Religionsstiftern.
Die Menschen zur Zeit von Jesus haben diese Aussage verstanden, aber viele haben sie bezweifelt. Zu unerhört war es, dass sich da einer praktisch mit Gott gleichsetzt. Jesus weist unter anderem auf seine Wunder hin: «Wenn ihr schon nicht meinen Worten glaubt, glaubt doch wenigstens um meiner Taten willen» (Johannes-Evangelium, Kapitel 14, Vers 11 sinngemäss).
Er tat weitere Dinge, in denen er zum Ausdruck brachte, dass er sich für den Sohn Gottes hielt: Er vergab Sünden (was die religiösen Vertreter erzürnte), er bezog den Namen Gottes auf sich und verstand sich als der Messias, auf den Israel seit Jahrhunderten wartete (Johannes-Evangelium, Kapitel 4, Verse 25–26).
Seine Nachfolger glaubten ihm, auch wenn es ein ungeheuerlicher Traditionsbruch war, dass strenge Monotheisten wie die Juden plötzlich einen Zeitgenossen als Gott anbeteten. Dieser neue Glaube setzte sich in atemberaubender Geschwindigkeit im Römischen Reich durch.
Ist er nicht nur ein grosser Morallehrer gewesen?
Viele wollen Jesus nicht als menschgewordenen Gott, wohl aber als grossen Morallehrer verstehen. Ist das möglich? C. S. Lewis («Die Chroniken von Narnia») brachte die Optionen bezüglich Jesus auf den Punkt:

«Du musst deine Wahl treffen. Entweder war und ist dieser Mann der Sohn Gottes, oder er ist ein Verrückter oder etwas Schlimmeres. Du kannst ihn für einen Narren zum Schweigen bringen, du kannst ihn anspucken und ihn als Dämon töten oder du kannst ihm zu Füssen fallen und ihn Herr und Gott nennen, aber lass uns nicht mit herablassendem Unsinn darüber kommen, dass er ein grosser menschlicher Lehrer sei. Das hat er uns nicht offen gelassen.»
C. S. Lewis
Das bedeutet: Jesus muss man entweder «brutto» verstehen – also seine Aussagen über sich selbst akzeptieren – oder ihn völlig ablehnen. Denn: «Ein Mann, der lediglich ein Mensch war und die Art von Dingen sagte, die Jesus sagte, wäre kein grosser Morallehrer. Er wäre entweder ein Verrückter – auf Augenhöhe mit dem Mann, der sagt, er sei ein pochiertes Ei – oder er wäre der Teufel der Hölle.»
Mit anderen Worten: «Ich bin bereit, Jesus als grossen Morallehrer anzunehmen, aber ich akzeptiere seinen Anspruch, Gott zu sein, nicht. Das ist das Einzige, was wir nicht sagen dürfen.»
3. Seine Auferstehung
Ist es historisch gesichert, dass er auferstanden ist?
Wenn Jesus für seine Lehre gestorben wäre, wäre er ein weiterer Märtyrer der Weltgeschichte, «den sie für seine Ideen umgebracht haben». Es ist sehr zweifelhaft, dass sich der Glaube an ihn über die ganze Welt verbreitet hätte.
Aber Christen glauben an ein unerhörtes Ereignis, an dem sich Wahrheit und Fake vielleicht am deutlichsten unterscheiden: Jesus ist am dritten Tag nach seiner Kreuzigung wieder lebendig geworden und hat damit eine «ganz neue Story» angefangen. Alle anderen Religionsstifter und weisen Männer sind gestorben.
Ist diese Auferstehung glaubwürdig?
Zunächst muss man sich darüber klar werden, von welchem Weltbild man ausgeht: von einem geschlossenen oder einem offenen. In einem geschlossenen Weltbild geschieht nichts, das nicht wiederholbar, kausal begründbar und durch die Naturgesetze erklärbar ist.
Oft wird das als «wissenschaftliches Denken» bezeichnet – ist aber in Wirklichkeit eine weltanschauliche Vorentscheidung.
Ein offenes Weltbild hingegen rechnet mit der Möglichkeit, dass etwas geschehen kann, das «von aussen» ausgelöst wurde. Ein Ereignis wie z. B. die Auferstehung von Jesus kann man durchaus «wissenschaftlich» untersuchen, d. h. nach historischen Kriterien: Hier zählen ausschliesslich Fakten.
Wenn die Auferstehung passiert ist, dann ist sie nicht eine von vielen interessanten Wahrheiten. Sie ist die Wahrheit, die alles andere neu ordnet. /
Alternativszenarien
Wie können wir die Geschehnisse um Ostern anders erklären, als durch die Auferstehung?
Es war nicht Jesus, der ans Kreuz geschlagen wurde. Diese Ansicht vertritt zum Beispiel der Koran.
Jesus war nicht tot, er war nur betäubt oder scheintot (und hat sich später erholt).
Die Leiche wurde gestohlen oder ist auf andere Weise verschwunden. Diese Ansicht vertrat z. B. Johann Wolfgang von Goethe.
Die Jünger hatten nur Visionen und Halluzinationen.
Die ganze Geschichte ist erfunden und stellt eine gross angelegte Lüge dar.
Christian Günzel vom Pontes Institut für Wissenschaft, Kultur und Glaube geht in diesem Kurzvideo der Frage nach, ob sich die Jünger die Erscheinungen des auferstandenen Jesus einbilden konnten.
Viele Beweise
Tatsache ist: Einerseits haben wir ein leeres Grab (es gibt keinen Leichnam von Jesus), andererseits gibt es Hunderte Augenzeugen, die ihn über 40 Tage lang lebendig und physisch gesehen haben. Und schliesslich: Die Christen nahmen alles in Kauf – bis hin zum Tod – weil sie von der Auferstehung (vielleicht besser: vom Auferstandenen) vollkommen überzeugt waren.
Gehen wir auf einzelne Fakten näher ein.
Hunderte von Zeugen
Jesus wurde zunächst von seinen skeptischen Jüngern und danach von Hunderten von Menschen lebendig gesehen. Halluzinationen können einzelne Personen erleben, aber nicht von 500 Menschen gleichzeitig (siehe 1. Korinther, Kapitel, 15, Verse 5–8).
Als das aufgeschrieben wurde, haben die meisten dieser Zeugen noch gelebt. Es war also eine nachprüfbare Behauptung. Die Berichte des Neuen Testaments unterscheiden deutlich zwischen solchen realen Begegnungen und Visionen (wie etwa jener von Paulus).
Frauen als erste Zeugen
Die ersten Menschen, die Jesus sahen, waren Frauen, deren Zeugnis früher als minderwertig galt. Wenn jemand eine Geschichte erfunden hätte, hätte er wohl kaum Frauen als erste und wichtigste Zeugen ausgesucht, sondern Männer.
Er hatte einen «Körper Plus»
Man konnte Jesus anfassen, er konnte essen, war aber nicht an Räume gebunden: Er hatte einen wirklichen Körper, aber mit einer neuen Dimension. Paulus deutete dies als «Prototyp der neuen Schöpfung».
Auch wir und die ganze Schöpfung werden einmal auferweckt werden und einen neuen Leib erhalten. Wenn man sich mit Dimensionen auseinandersetzt, fällt es nicht schwer, zu akzeptieren, dass in höheren Dimensionen mehr möglich ist als niedrigeren.
Jesus war wirklich tot, nicht scheintot
Selbst wenn – was äusserst unwahrscheinlich ist – die römischen Henker einen Fehler begangen und den Körper Jesu zu früh abgehängt hätten, selbst wenn Jesus den schweren Blutverlust im Grab trotz fehlender Flüssigkeitszufuhr überlebt hätte und sich selbständig aus seinen Bandagen befreien, den schweren Stein beiseiteschieben und die Wachen austricksen hätte austricksen … Wie um alles in der Welt hätte ein halb verbluteter, geschundener, traumatisierter und pflegebedürftiger Jesus die Jünger auf die Idee bringen können, ein vom Tod auferstandener Gott und Messias zu sein?
Wurde sein Leichnam gestohlen?
Im Matthäus-Evangelium, Kapitel 28, Verse 11–15 wird berichtet, wie sich durch bestochene Grabwachen die Geschichte verbreitete, die Jünger hätten den Leichnam von Jesus gestohlen.
Es gibt jedoch keine einzige Quelle, weder innerhalb noch ausserhalb der Bibel, die einen Hinweis darauf liefern würde, dass die ersten Christen sich mit einem Leichnam von Jesus hätten auseinandersetzen müssen. Von Anfang an haben sie ihren Glauben auf den Lebendigen gesetzt – und dafür alles riskiert.
Unterschiedliche Berichte von der Auferstehung?
Die Unterschiede der Auferstehungs-Berichte beweisen gerade, dass sich die Evangelisten nicht abgesprochen haben (sonst hätten sie eine «autorisierte Version» herausgegeben). Das wären keine unabhängigen Zeugen gewesen. Die Beschreibungen der Auferstehung sind unterschiedlich, aber nicht widersprüchlich.
Wenn man sich intensiv mit den Texten beschäftigt, lassen sich die Schilderungen zu einem stimmigen Gesamtgeschehen zusammenfügen.
In diesem Vortrag geht der deutsche Philosoph, Autor und Theologe Dr. Johannes Hartl den Indizien für die Auferstehung mit einigen spannenden Fragen nach:
Es gibt viele Beispiele von Historikern, die versucht haben, die Berichte der Bibel, insbesondere die der Auferstehung kritisch zu widerlegen. Praktisch alle sind – entgegen ihrer Absicht – zu dem Ergebnis gekommen, dass die Berichte der Bibel historisch zuverlässig sind.
Das Neue Testament ist das am besten überlieferte Dokument des Altertums – im Unterschied zu vielen anderen antiken Aufzeichnungen.
Was heisst das für dich?
Jesus ist auferstanden, damit du ihn kennst. Es bedeutet, Glaube ist keine Religion, sie ist eine Beziehung mit einer lebendigen Person.


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