«Ihr habt es nicht nötig, dass euch jemand belehrt. Denn seine Salbung lehrt euch alles», sagt Johannes in seinem ersten Brief an die Gläubigen (1. Johannesbrief Kapitel 2, Vers 27, Basis Bibel). Wow! Wie klingt das in einer Zeit, in der Tausende von Büchern (und Webseiten wie diese) über das christliche Leben veröffentlicht werden und Millionen von Predigten den Leuten sagen wollen, was richtig ist und wie sie leben sollen – von den Belehrungen in sozialen Medien noch ganz zu schweigen?
«Ihr habt keine Belehrung nötig» – wirklich? Johannes, weisst du nicht, wie unreif die Christen sind? Dass man ihnen immer wieder das ABC beibringen muss, weil sie so vergesslich sind, dass man ihnen ständig erklären muss, wie sie nun leben sollen – und dass ein ganzer christlicher Berufsstand davon lebt?
Die Salbung
Nehmen wir den Kontext dazu, nämlich den ganzen Vers 27: «Aber ihr habt von Jesus Christus die Salbung empfangen, und diese Salbung bleibt in euch wirksam. Ihr habt es nicht nötig, dass euch jemand belehrt. Denn seine Salbung lehrt euch alles.» Was ist das, diese «Salbung», die die Voraussetzung ist, dass uns niemand belehren muss? Ganz einfach gesagt: Das ist der Heilige Geist, der in jedem Christen wohnt und von dem Jesus selbst sagte, dass er uns in alle Wahrheit leiten wird (Johannesevangelium Kapitel 16, Vers 13). Jeder, der Christus nachfolgt, hat diese Quelle der Wahrheit in sich – und Johannes traut dieser «Salbung» ganz viel zu.
Ein revolutionäres Wort
Natürlich will Johannes hier nicht sagen, dass es keine Prediger und Lehrer braucht und dass alle Christen schon das volle Wissen haben. Das würde vielen anderen Texten der Bibel widersprechen, nach denen wir «einander lehren» sollen. Aber er setzt einen deutlichen und wichtigen Akzent:
Für uns selbst: Halten wir uns nicht für unmündige Kinder, denen man alles sagen muss. Bleiben wir nicht im Baby-Stadium. Studieren wir selbst die Schrift, versuchen wir, ihre grossen Linien zu verstehen und denken wir selbst nach. Bilden wir uns eine Meinung, auch im grossen Wirrwar der Informationen. Rechnen wir mit dem Heiligen Geist, der in uns wohnt, und lernen wir, auf ihn zu hören. Und glauben wir nicht einfach alles, was uns gesagt wird, sondern prüfen wir es.
Für Pfarrer, Prediger, Leiter & Co: Behandelt die Leute nicht dauernd wie Babies. Hütet euch vor Belehrungswut. Johannes hat Respekt vor der «Salbung», die auf den Christen liegt. Er hält sie einer eigenen Meinung fähig. Man muss ihnen nicht wie in einem Seminar jedes Detail beibringen, wie sie leben und glauben sollen. Rechnet mit der persönlichen Erkenntnis der Christen. Eine Gemeinde ist kein Kindergarten.
Und vielleicht auch: Lasst diesen Pool von Wissen und Erkenntnis immer wieder aktiv werden.Für unseren Umgang in der Gemeinde: Achten wir die Meinung des anderen. Diskutieren ist gut und wichtig, aber immer im Bewusstsein: Der andere hat auch den Heiligen Geist. Das kann vor mancher unnötigen Spannung (und vielleicht sogar Spaltung) bewahren.
Noch einmal: Gesunde Lehre ist wichtig. Aber diese Worte des alten Johannes (der sicher vieles besser wusste als jüngere Christen) sind von einer grossen Achtung vor seinen Mitchristen geprägt, die «auch den Heiligen Geist haben» – eine Haltung, von der wir alle nur lernen können (oops, da hab ich es schon wieder getan…).
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