Der Prophet Elia begegnet Gott

Elia ist erschöpft und frustriert. Was nützt es, ganz allein für Gott zu kämpfen, wenn seine Feinde an der Macht bleiben und vor nichts zurückscheuen? Es ist brutal hart für Elia im 6. Teil der Serie zum Propheten.

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Elia begegnet Gott

Es ist hart für Elia: Sein Triumph über Isebels Baalpriester und das Ende der Dürre – nach drei Jahren – haben die Königin nicht dazu gebracht, Gott zu fürchten, im Gegenteil. Elia hat sich nach dem Exploit in die Wüste geflüchtet, um seine Haut zu retten. Todmüde schläft er im Schatten eines Ginsterbusches ein.

Da stösst ihn einer an und weckt ihn. Es ist ein Engel Gottes, er fordert ihn auf zu essen. Ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser stehen da. Elia verzehrt es, trinkt und legt sich wieder hin. Ein zweites Mal weckt ihn der Engel, für dieselbe Mahlzeit. Elia hat nun wieder Kraft für einen weiten Weg. Wo soll er hin? Dorthin, wo einst Mose dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, begegnete, wo dieser in seiner Macht zu ihm kam: am Berg Horeb. Ohne eine solche Begegnung, einen Power-Encounter, ist Elia am Ende.

Notwendig: ein Power-Encounter

Mose erlebte Gott, nachdem er 40 Tage gewartet und gefastet hatte. Elia wandert, ohne zu essen, zum Berg. Nach 40 Tagen erreicht er ihn. Wird sich Gott ihm offenbaren und ihn ermächtigen, Isebel und ihre Baal-Fanatiker zu vertreiben? Wird ein zweiter Anlauf Erfolg haben? Oder muss er – weil allein auf weiter Flur – am Ende klein beigeben? Elia nervt die Gefügigkeit seines Volkes, das sich wie Schilf je nach dem Wind in die eine oder andere Richtung neigt. Nachdem man von Gott über Generationen Segnungen empfangen hat, opfert man jetzt, weil Isebel es will, dem Baal...

Am Berg übernachtet Elia in einer Höhle. Gott findet ihn und spricht ihn an: «Elia, was tust du hier?» Da bricht es aus Elia heraus: «Ich habe wahrlich geeifert für den Gott der Heerscharen! Denn die Israeliten haben deinen Bund verlassen, deine Altäre haben sie niedergerissen und deine Propheten haben sie mit dem Schwert umgebracht... Und ich allein bin übrig geblieben, sie aber haben danach getrachtet, mir das Leben zu nehmen.»

Nicht im Sturm, nicht im Erdbeben

Jahwe weiss, was Elia braucht. Ein Wort wird's nicht richten. Er sagt: «Geh hinaus und stell dich auf den Berg – vor Gott!» Und kaum hat er das gesagt, braust schon der Sturmwind heran, von ungeheurer Gewalt, so dass er Felsen zerbricht! Elia traut sich keinen Schritt aus der Höhle. Dann – die Erde bebt! Das wirkt Gott, Elia weiss es, doch hört er seine Stimme nicht. Dann – ein loderndes Feuer. Aber auch darin ist Gott nicht. Nach dem Feuer ein Flüstern, wie von einem sanften Windhauch. Elia horcht – das muss Gott sein. Er tritt aus dem Dunkel der Höhle hinaus in den Eingang, sein Gesicht mit dem Mantel verhüllt.

Gott fragt ihn nochmals: «Elia, was tust du hier?» Elia gibt dieselbe Klage von sich, dass von allen Gottesfürchtigen er allein übrig geblieben ist. Warum hat Gott auf dem Karmel Feuer aufs Opfer gesandt, doch Isebel nicht zum Schweigen gebracht, wenn er so mächtig ist, dass Felsen unter seinem Wind zerbrechen? Warum hat er, Elia, allein eine solch übermenschliche Last zu tragen?

Hochgefährliche Aufträge ...

Gott antwortet, doch nicht mit trostreichen, beruhigenden Worten. Er gibt neue Aufträge, die Hunderte Kilometer hochgefährlichen Fussmarsches bedingen. Drei Männer soll Elia mit Öl salben, zum Zeichen, dass sie wesentlich zur Lösung des Konflikts beitragen: Hasael wird als neuer König des benachbarten Reichs Aram (Hauptstadt Damaskus) Ahab in den Senkel stellen. Jehu, der Sohn des Nimschi, wird ans Ahabs Stelle treten – und auch Elia selbst wird einen Nachfolger erhalten: Elischa aus Abel-Mehola. Gott kennt die Zukunft; er macht klar: Wer Hasael entrinnt, wird Jehu in die Hände fallen, wer Jehu entkommt, Elischa.

... und eine Zusicherung

Und Elia hört, was ihm besonders wohl tut: Er ist nicht allein. «Siebentausend werde ich in Israel übrig lassen, alle, deren Knie sich nicht gebeugt haben vor dem Baal, und alle, deren Mund ihn nicht geküsst hat.» Elia weiss von keinem seit Mose, dem Gott so erschienen ist. 7000 – das ist schon was. Keine Armee gegen Isebel, aber Menschen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben. Er macht sich auf den Weg.

Die Begegnung von Elia mit Gott am Horeb wird erzählt im 1. Buch der Könige, Kapitel 19. Dieser Artikel erschien im Juni 2011 auf Jesus.ch

Lesen Sie alle Teile der Elia-Serie:
Elia und die Baal-Konjunktur
Elia und die Himmelsdiät
Elia und der Stabchef
Elia und das Feuer vom Himmel
Elia im Total-Frust

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