Schuld-Zuweisung – Es sind (immer) die anderen!

Regen Sie sich oft über andere auf? Ein Grund kann sein, dass Sie meinen, Ihnen passiere immer wieder Unrecht. Sie fühlen sich nicht ernst genommen oder, im Vergleich zu anderen, benachteiligt.
Unsplash / Tom Frances Palattao
Ungerecht behandelt

Menschen, die mit solchen Gefühlen leben, nehmen auch vieles als gegen sich gerichtet, was nichts mit ihnen persönlich zu tun hat. Meist sind es Situationen, in denen sie sich ausgeliefert fühlen: die unfreundliche Bedienung im Laden – der Beamte, der strikt auf die Bestimmungen pocht – der verständnislose Chef oder Lehrer – die Reaktion von Kollegen etc.

Meistens sind mehrere an Fehlern beteiligt

Wer sich viel über andere aufregt, der ist auch schnell dabei, bei anderen die Schuld zu suchen. Das kann zu einer festen Gewohnheit werden! So laufen wir – bildlich gesprochen – ständig mit einem dicken Hals herum.

Doch wir machen es uns zu leicht, wenn wir bei Problemen und Fehlern zuerst auf die anderen zeigen. Es mag ja sein, dass in bestimmten Situationen objektiv betrachtet andere ein gewisses Mass an Versäumnissen haben, doch mit dem Zuweisen von Schuld ist es so eine Sache. Grundsätzlich gilt, dass bei fast jeder Angelegenheit nur einer falsch liegt.

Erwachsen sein – Verantwortung wahrnehmen

Wer erwachsen sein will, der muss Verantwortung für sich und sein Leben übernehmen. Und so kann es nicht sein, dass wir nur auf andere schauen und ihnen die Schuld geben. Und wenn man sich in einer Struktur befindet, in der man immer wieder unter Druck kommt und die Dinge quer laufen, dann ist es an uns, zu versuchen, das grundlegend zu ändern oder – wenn es nicht möglich ist – ganz auszusteigen.

Warum sprechen wir so schnell andere schuldig?

  • Es ist einfach bequem und wir schützen uns selbst.
  • Vielleicht tragen wir Vorwürfe und Beschuldigungen mit uns herum, die wir früh vermittelt bekommen haben, oft ist es das Elternhaus. Wir fühlen uns dann sehr schnell kritisiert und «angeklagt». Um dem auszuweichen, drehen wir den Spies lieber herum und suchen die Schuld bei den anderen. Nach dem Motto: Angriff (das können auch kritische Stimmen in uns selbst sein) ist die beste Verteidigung.
  • Vielleicht gibt es Erlebnisse, die uns richtig nachhängen, Begebenheiten, wo wir mit unserer Schuld bisher nicht fertig geworden sind. Solange wir das nicht tun, geben wir lieber anderen die Schuld, weil uns selbst das entlastet.
  • Üben Sie sich darin anderen Fehler nicht nachzutragen, selbst wenn es offensichtlich ist, sondern vergeben Sie. Sonst häufen Sie immer mehr Vorwürfe und Bitterkeit in sich an!

Jesus: Vergeben und eigene Fehler sehen

Jesus forderte Menschen dazu auf, andere nicht zu beschuldigen oder zu verurteilen. Er sagte. «Wenn ihr bereit seid, anderen zu vergeben, dann wird auch euch vergeben werden.»

Und weiter sagte Jesus, wenn wir den anderen auf Schuld und Fehler hinweisen wollen: «Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Du sagst: 'Mein Bruder, komm her! Ich will dir den Splitter aus dem Auge ziehen!' Dabei erkennst du nicht, dass du selbst einen Balken in deinem Auge hast. Du Heuchler! Entferne zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du klar sehen, um auch den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen.»

Dieser Artikel erschien im April 2010 bei Jesus.ch

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